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„Piece of Cake“: Sie wollten ein Stück vom Kuchen

Als ich an den ersten Tagen der documenta die Galerie „Piece of Cake“ im Hauptbahnhof von Kassel entdeckte, habe ich mich gefragt: Ist das nun ein Teil der documenta, oder war die Galerie schon immer hier?

„documenta, wir kommen!“

Die jungen Künstler, die hier ihre Werke ausstellen, sind Bianca Kennedy und Felix Kraus aus Berlin, und Janine Mackenroth aus München. Sie erzählen ihre Geschichte. Ihnen sei ein Coup gelungen: „Wir haben den Zuschlag der Bahn für den Raum bekommen, es gab nämlich noch 20 weitere Bewerber.“

Auf die Idee muss man erst mal kommen: Die documenta startet – und drei gewitzte Künstler eröffnen mal eben ein Ladengeschäft im Hauptbahnhof von Kassel – und funktionieren das um zur Galerie mit den eigenen Kunstwerken. Frei nach dem Motto: Die Besucher aus aller Welt können kommen! Denn an dieser Ecke kommen täglich kunstinteressierte Besucher in Scharen vorbei. „Wir hatten manchmal 30-40 Leute in unserer kleinen Bahnhofsgalerie“, erzählen die drei.

Künstliche Welten in der 3D-Brille

Felix Kraus beschäftigt sich intensiv mit den sehr angesagten digitalen und virtuellen Welten, die mit 3D-Brillen zu bestaunen sind. Er entwickelt Bilderlebnisse, wie aus einem Science-Fiction-Film – zum großen Vergnügen der Besucher, die die Brille begeistert ausprobieren. Und zum Staunen bringt er die Leute hier auch mit einem effektvollen Acrylgemälde („Cutting Sunday“), das mit den Lichtspielen eines Projektors praktisch zu leben beginnt.

Videokunst: Das Leben in der Badewanne

Die Künstlerin Bianca Kennedy, die ebenfalls in Berlin arbeitet, entwickelt Video-Installationen: In der Bahnhofsgalerie zeigt sie ihr Werk zum Thema: Badewanne. Sie hat sehr aufwendig und raffiniert Ausschnitte aus Filmen kombiniert, im Mittelpunkt immer die Badewanne mit den Themen Spaß, Liebe und Lust – und Tod.

Die einzelnen Badewannen-Szenen gibt es auch von ihr gemalt.

Ganz schön bunt hier: Kunst mit Nagellack

Und dann ist da Janine Mackenroth aus München – sie macht Kunst mit Nagellack. Sie sagt, sie reize die „teuerste Farbe der Welt“ und sie malt damit Bilder, genauer gesagt: Sie hat eine Maschine erfunden und entwickelt, die diese Kunstwerke erschafft. Mit dieser Erfindung und ihren poppigen Bildern mit Nagellack hat sie es immerhin schon in das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung geschafft.

„An dem Titel ‚Piece of Cake’ haben wir monatelang getüftelt“, erzählen sie. Sicher, der Titel ist augenzwinkernd gemeint, aber klar ist auch: Sie wollten ein Stück vom großen Kuchen documenta – und dieses Stück Kuchen haben sie schließlich auch bekommen – ihre Bilanz: „In den ersten Wochen waren rund 3000 Leute bei uns.“

Die Aktion der drei Künstler lief bis Sonntag, 16. Juli 2017.