In der Hamburger Kunstszene ist er schon von weitem gut zu erkennen: Jan Holtmann, der Mann mit den extravaganten Hüten – bunt, phantasievoll und gewagt, dabei für den Alltagsgebrauch eher unbrauchbar und vor allem viel zu schade. Denn diese Hüte sind Einzelstücke, kleine Kunstwerke, von namhaften Künstlern kreiert – darunter Stars der Szene wie Jonathan Meese und Ulla von Brandenburg.

Diesen Kopfschmuck präsentiert Jan Holtmann gerne öffentlich – auch auf Vernissagen und auf Künstlerparties. Die Hüte gehören zu einem Kunstprojekt der von ihm erdachten noroomgallery – und der Name ist wörtlich zu nehmen: Es handelt sich um eine Galerie ohne einen eigenen Raum. An dem Projekt des noroom-Galeristen mit dem Titel Hamburger Hutladen beteiligen sich inzwischen bereitwillig über 40 KünstlerInnen – wobei sich  Jan Holtmann selbst als Medienkünstler versteht.

© Claudia Höhne: Medienkünstler Jan Holtmann mit einer Auswahl seiner Hüte. Die Künstler von oben links bis rechts: Torsten Passfeld, Dirk Mainzer, Simon Ehemann. Unten links bis rechts: Schorsch Kamerun (Design, Produktion: Gloria Brillowska)  Michael Lingner, Lilli Fischer.

All diese kunstvollen Kreationen haben vorübergehend einen festen Platz in einem Raum bekommen („temporäre Lagerform“), und das gleich in der Hamburger Kunsthalle. Dort waren die Hüte bis zum 31. März ein Hingucker für die überraschten Besucher der Galerie der Gegenwart.

Wie kamen die Hüte in die Kunsthalle?

Ein glücklicher Zufall wollte es, dass in der Kunsthalle ein Ort zur Verfügung stand, wo Jan Holtmann die stetig wachsende Menge an Hüten vorübergehend präsentieren konnte. Das Werk einer Künstlerin in der Kunsthalle war gerade für eine andere Ausstellung ausgeliehen. So konnte die Kuratorin Dr. Brigitte Kölle den freien Platz vorübergehend anbieten.

Zur Vernissage erschien eine überraschend große Zahl an Besuchern und Interessierten. Jan Holtmann berichtet, dass es für ihn schon zur Routine wurde, die Kunsthalle durch einen bewährten Hintereingang zu betreten, um sich aus dem Regal einen Hut zu greifen, den er dann in Hamburg ausführte. Jan Holtmann:  „Ich wurde schon von Menschen auf der Straße angesprochen, die sagten: Den Hut kenne doch aus der Kunsthalle!“

Die Künstler haben bereitwillig mitgemacht. „Jonathan Meese hat schon zehn Hüte geschaffen, und einen Hut hat er gestiftet“, sagt Holtmann. Ursprünglich sollten es 33 Hüte ein, inzwischen sind es weit über 40. Unter den Künstlern finden sich Namen wie Anik Lazar, Jan Köchermann, Prof. Michael Lingner, Boran Burchhardt und Verena Issel. Einige Künstler, deren Hüte elektrische Finessen haben, konnte Holtmann beruhigen: „Es geht auch ohne Strom“.

„Endlich mal ein guter Hut!“

„Der Hutladen ist so etwas wie ein Bauchladen auf dem Kopf“, sagt Jan Holtmann. Für manche ist sein Auftritt überraschend. „Wenn Jan mit so einem Hut erscheint, dann kann das zunächst irritieren und verunsichern,“ findet Brigitte Kölle, die Kuratorin. Dann freute es den umso mehr, als ihm ein Mann auf der Düsseldorfer Kö zurief: „Endlich mal ein guter Hut!“. Die am häufigsten gestellte Frage ist: „Wo ist denn der Hamburger Hutladen?“. Die Antwort: „Sie stehen mitten im Hamburger Hutladen“. Wobei diese Hüte auch zu kaufen sind. Tatsächlich entstehen so immer wieder Gespräche und ein reger Austausch über das Kunstprojekt. Diese Gelegenheit gibt es noch bis zum Sommer. Solange will Jan Holtmann mit den auffallenden Hüten noch unterwegs sein.

http://www.noroomgallery.com