Es hat ja lange gedauert! Jetzt können wir die wichtigsten Werke eines Superstars der internationalen Kunstszene wieder bestaunen: “David Hockney – die Tate zu Gast” im Bucerius Kunst Forum. Natürlich mit Mund-Nase-Schutz und mit dem nötigen Abstand zu den anderen Besuchern. Der Umfang ist beachtlich: Rund 100 Werke hat die Tate Gallery/London als Hauptquelle dem Kunst Forum zur Verfügung gestellt. Darunter drei der wichtigsten Bilder Hockneys – diese Auswahl war zuvor in Deutschland nicht zu sehen. Ein Erfolg der künstlerischen Leiterin und Kuratorin Dr. Kathrin Baumstark.

“Er kann einfach Gefühle transportieren – Gefühle, die wir alle haben. Sehnsucht, Begierde, Lust, Trauer. Er schafft es einfach, jeden anzusprechen. Und das macht auch den großen Künstler David Hockney aus.”

– Dr. Kathrin Baumstark, Bucerius Kunst Forum

My Parents, 1977

Das Titelmotiv zur Ausstellung My Parents wird heute zu diesen  Hauptwerken Hockneys gezählt. Es zeigt seine Eltern, schweigend in einem Raum, ohne sich anzusehen. Die Mutter verbrachte damals einige Zeit in einem Krankenhaus. “Mein Vater ging jeden Tag für ein paar Stunden ins Krankenhaus, aber er war es von zuhause nicht gewohnt, jeden Tag einfach bei ihr zu sitzen und mit ihr zu reden”, wird Hockney zitiert. Nach über 45 Jahren Ehe verstanden sie sich auch über kleine Gesten. “Mir wurde damals klar, dass die Menschen, vor allem wenn sie sich gut kennen, nicht nur durch Sprechen miteinander kommunizieren”. Das Bild ist übrigens im Atelier entstanden, daher die besonderen Details.

David Hockney: My Parents, 1977, Tate, © David Hockney, Foto: Tate

David Hockney: My Parents, 1977, Tate, © David Hockney, Foto: Tate

Hochaktiv mit 82 Jahren

Es gibt einige hübsche und überraschende Fakten, die mir neu waren. So hat sich David Hockney in seiner Jugend immer wieder gefragt, wie ein Künstler überhaupt von seiner Arbeit leben könne. Ziemlich kurios, wenn man bedenkt, dass sein Werk Portrait of an Artist kürzlich für die Rekordsumme von 90 Mio. Dollar versteigert wurde. Das Bild mit dem Swimmingpool vor einer südfranzösischen Landschaft ist hier in Hamburg übrigens nicht zu sehen. Es ist eines von mehreren recht populären Swimmingpool-Bilder aus Hockneys Zeit in Kalifornien, die auch als Poster zu bekommen sind.

“Er sagt, er will Raum erfahrbar machen, er sagt, er will Perspektive erfahrbar machen, er will Zeit erfahrbar machen.”

– Dr. Kathrin Baumstark, Bucerius Kunst Forum

Neu war mir, dass Hockney vor zehn Jahren, also mit Anfang 70, das iPad für sich entdeckt hat und regelmäßig damit unterwegs ist. Ein für ihn wichtiges Werkzeug, das er unter anderem für die Malerei unter freiem Himmel nutzt. Und der alter Herr experimentiert mit Video, und schafft aufwendige Installationen.

David Hockney im BKI, Foto: Ulrich Perrey

David Hockney: “In the Studio”, 2017 Foto: Ulrich Perrey

Mr and Mrs Clark and Percy, 1970/71

Ein weiteres Hauptwerk entsteht ein Jahr nach einer Glamour-Hochzeit: Die populäre Textildesignerin Celia Birtwell und der angesagte Modemacher Ossie Clark heiraten im Jahr 1969. Zu der Zeit malt Hockney bevorzugt Menschen aus seinem Freundeskreis und widmet sich dem Paar in einem für ihn fordernden Arbeitsprozess.

@ David Hockney: Mr and Mrs Clark and Percy, 1970 Foto: Tate

@ David Hockney: Mr and Mrs Clark and Percy, 1970 Foto: Tate

“Die Figuren sind fast lebensgroß; es ist schwierig, Figuren so zu malen, und es war ein richtiger Kampf”, wird Hockney in der Ausstellung zitiert. Spannend und ungewöhnlich, wie offen Hockney über seine Arbeitsweise spricht: “Ossie habe ich sehr oft gemalt, allein den Kopf wahrscheinlich zwölfmal.” Und weiter: “Das einzig große technische Problem dabei ist das Gegenlicht: Die Lichtquelle befindet sich in der Mitte, und das schafft Probleme.” Dieses Doppelporträt wird regelmäßig zitiert, um zu verdeutlichen, wie Hockney den Betrachter in seine Bildern mit einbezieht.

“In seinem ganzen Werk ist der Mensch präsent. Auch wir als Betrachter machen das Werk erst komplett. Er denkt uns immer mit. Der Betrachtende ist immens wichtig für Hockneys Werk.”

– Dr. Kathrin Baumstark, Bucerius Kunst Forum