Das Thema Künstliche Intelligenz (kurz: KI) geistert durch die Medien, wobei unklar bleibt, ob Nutzen oder Risiken überwiegen. Und vor allem taucht die Frage auf: Was genau kann Künstliche Intelligenz? Und: Werden Roboter uns eines Tages ersetzen? Vieles klingt nach Science Fiction. Denn glaubt man Kritikern, wie dem deutsch-amerikanischen Journalisten Jay Tuck, dann droht eines Tages ein Cyberwar, in dem sich Systeme gegenüber stehen, die eigenständig Entscheidungen treffen, ohne dass Menschen überhaupt noch Einfluss darauf haben.

Im völlig ausgebuchten Amerikazentrum in der Hamburger Hafencity lauscht das Publikum dem Vortrag des Journalisten mit düsteren Zukunftsvisionen, darunter auffallend viele Angehörige der Bundeswehr. Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Hamburg hatte eingeladen zum Vortrag: „Künstliche Intelligenz – Fluch oder Segen?“

copyright: Marcus Schmidt, KAS

Buchautor Jay Tuck / copyright: Marcus Schmidt, KAS

Düstere Visionen

Der Autor berichtet von seinen Recherchen: Es gibt neue US-Militärdrohnen („Pegasus“), die autonom entscheiden können, ob sie ein Ziel angreifen oder nicht. Ebenso unheimlich sei es, dass diese Drohnen für das menschliche Auge praktisch unsichtbar sind. Wir sehen Videos mit modernen Kampfrobotern, die gut im „Terminator“ auftreten könnten – und mancher mag sich gefragt haben, ob das alles real sein kann oder einfach nur reißerisch aufbereitet. Tatsächlich gibt es diese Roboter heute schon.

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Amerikazentrum in Hamburg  /   copyright: Marcus Schmidt, KAS

Jay Tuck möchte die Dimension von Künstlicher Intelligenz klarmachen: „KI kann in drei Sekunden 200 Millionen Buchseiten auswerten.“ Und er berichtet auch von all den positiven Seiten: Künstliche Intelligenz kann heute Krebsdiagnosen zuverlässiger stellen als ein erfahrener Chefarzt. Auf Gemüse- und Getreidefeldern können High-Tech-Bauern heute in großen Mengen Pflanzenschutzmittel einsparen, dank KI. Die Liste lässt sich fortsetzen.

Das sind einige Rechercheergebnisse aus dem Buch von Jay Tuck: „Evolution ohne uns. Wird künstliche Intelligenz uns töten?“

Können Cyberhirne kreativ arbeiten?

Angesichts dieser Möglichkeiten stellt sich für mich die Frage: Was kann Künstliche Intelligenz in der Kunst?

Ist es möglich, dass Computer die Arbeit der Kreativen oder sogar die von Künstlern übernehmen?

Jay Tuck sagt, dass mit KI gesteuerte Programme tatsächlich in der Lage sind, kreativ und künstlerisch zu arbeiten. „Computer können heute Videos schneiden oder sogar eine Symphonie schreiben“.

Und KI könne auch Kunst erschaffen. „Wir machen den Fehler, uns für die Größten zu halten, für die Krone der Schöpfung.“

Gelegentlich gibt es diese Geschichten von digitaler Intelligenz, die angeblich Gedichte schreiben kann, oder gar eine Novelle. Sogar ein Musical soll so entstanden ein.

„Computer können heute Videos schneiden oder sogar eine Symphonie schreiben.“

Rembrandt 2.0 – Kunst aus dem Computer

Ein Projekt dieser Art in den Niederlanden ist gut dokumentiert. Die Macher wollten mit Hilfe künstlicher Intelligenz ein Meisterwerk erschaffen – Titel: The Next Rembrandt. Wissenschaftler der Universität Delft und Microsoft hatten einen Rechner mit den Daten von 346 Gemälden Rembrandts gefüttert, die sie zuvor digital aufbereitet hatten. Sogar jeder Pinselstrich wurde von den Algorithmen nachempfunden – eineinhalb Jahre später gab es dann das Ergebnis: Das künstliche Digitalhirn hat aus allen eingespeisten Daten ein neues Werk kreiert, besser: errechnet – und auf einem 3D-Drucker mit einer ausgeklügelten Technik gleich fertig ausgedruckt. Dabei wurden sogar der Pinselstrich und der Stil Rembrandts exakt nachempfunden.

The Next Rembrandt, ING Group

„Wir machen den Fehler, uns für die Größten zu halten, für die Krone der Schöpfung.“

Die ersten Schritte eines Babys

Für die Auftraggeber, die Werbeagentur der ING-Bank hat sich der Einsatz gelohnt – auch wenn es fraglich ist , ob „The Next Rembrandt“ in die Kunstgeschichte eingehen wird. Denn das Experiment hat bisher mehr Technik-Freaks und Programmierer interessiert als Kunstliebhaber. Digital erzeugte Werke dieser Art gelten heute schließlich nicht als Kunst im klassischen Sinne – wobei die Entwickler ja noch ganz am Anfang stehen.

The Next Rembrandt, ING Group

The Next Rembrandt, ING Group

„Wir erleben gerade die ersten Schritte eines Babys“. Das ist Jay Tucks Gedanke zur Zukunft von Künstlicher Intelligenz. „In fünf Jahren werden wir darüber lachen.“

http://www.kas.de/hamburg/

https://www.amerikazentrum.de

http://jaytuck.com

https://www.ing.com/Newsroom/All-news/Rembrandt-goes-digital-.htm

https://www.youtube.com/watch?v=R18zOPqQF0c