Es war diese eine Chance, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen, denn danach hat das Kollektiv die documenta verlassen. In Kassel hat das Kollektiv Taring Padi gleich mehrere Orte gestaltet, darunter ein ehemaliges Hallenbad im Ortsteil Bettenhausen: Die Schwimmhalle Ost ist einer der wunderbaren und wichtigen Kunstorte dieser documenta. Eine grosse Außenfläche voll bunter Aufsteller, wayang kardus genannt, mit politischen Protestmotiven, an der Seite des ehemaligen Schwimmbads viel Gastronomie und Musik. Hier kann man die documenta fifteen genießen.

Taring Padi im Hallenbad Ost

Agitprop-Objekte(wayang kardus) von Taring Padi vor dem Hallenbad Ost

Hallenbad Ost mit den Werken vom Kollektiv Taring Padi

Das Kollektiv Taring Padi hat Mohammad Yusuf zu ihrem Sprecher ernannt, damit die Künstler mit einer Stimme gegenüber Journalisten reden. Die Interviews drehten sich seit Wochen um das eine Thema Antisemitismus. Es scheint, als habe das Banner „People’s Justice“ mehr heftige Diskussionen um die Grenzen der Kunst ausgelöst, als je ein Kunstwerk auf der documenta zuvor.

Der Künstler Mohammad Yusuf vom Kollektiv Taring Padi

„Ich habe an dem Banner „People’s Justice“ mitgearbeitet“

Der Künstler aus Yogyakarta erzählt, dass er von Anfang an dabei war, er gehöre zur ersten Generation des Künstlerkollektivs Taring Padi. Hautsächlich beschäftige er sich mit Malerei und Drucken, sowie mit neuen Techniken. Inhaltlich befasse er sich mit philosophischen Fragen. Aus seinen Antworten ist ein philosophischer Grundton mitunter herauszuhören. Und dann kommt für mich überraschend der Hinweis, dass mein Gesprächspartner vor zwanzig Jahren an dem Werk „People’s Justice“ mitgearbeitet hat. Ein guter Einstieg für ein Interview, das wir auf Englisch geführt haben.

Taring Padi: Mohammad Yusuf im Interview

Kay Dethlefs: Did you create the controversial cartoons?

Mohammad Yusuf: „No, they are not mine. There is a lot of improvisation in this mural, the small details are meant to support the main message. The whole banner has a main theme. The banner is anti-militaristic, that’s the main message. And it’s about sustainability.“ 

How do you look back on the project in Kassel today?

Mohammad Yusuf: „It started two years ago, and it went on until today. And it took a lot of energy. In the meantime, some of us had Covid-19. We have a mission, we are in solidarity, we are open and we have respect without judging anyone.“

That sounds like a religious motive, is it about religion?

Mohammad Yusuf: „Yes, it is religion and tradition: As you can see from my name, I am a Muslim. I didn’t choose that, just as I didn’t choose the color of my skin, the color of my eyes, or my sexuality, or my origin in Java.“

What is your attitude towards the state of Israel?

Mohammad Yusuf: „We don’t care about flags of states – when we see injustice, we show solidarity. By the way, there are several languages, ethnicities and religions in Indonesia as well.“

How did you experience the moment when the banner was covered?

Mohammad Yusuf: „When the banner was shrouded, it was the „Monument of Mourning“ – it took a lot of energy. Discussions in the collective also cost energy, but we stick to our program.“

Was the project successful overall?

Mohammad Yusuf: „Success doesn’t count, but: what are we learning? We still see ourselves as students who are learning.“

Vielen Dank für das Gespräch.

Hier der Link zur documenta fifteen mit Infos zum Kunstort Hallenbad Ost:

https://documenta-fifteen.de/ausstellungsorte/hallenbad-ost/

Der Osten von Kassel, für die documenta neu entdeckt – hier mein Talk mit Kunsthistoriker:in Karina Chernenko.:

https://hamburgarts.de/documenta-podcast-mit-karina-chernenko-kassels-wilder-osten/

Autor: Kay Dethlefs