Der Hut, die Weste – schon an der Silhouette war zu erkennen: Das ist der Beuys! Dieses Outfit  wurde lebenslang Beuys’ Markenzeichen, nachdem er entdeckt hatte, dass ihn dieses Erscheinungsbild in der Kunstwelt unverwechselbar machte. Der ehemalige Assistent Sigi Sander berichtet in dieser Episode meines Podcast, wie sich Beuys im Spannungsfeld von moderner Kunst und (konservativen) Medien bewegte, und wie sehr “der verrückte Professor” dabei die Diskussion und die Konfrontation geliebt hat.

© Wolfgang Söder, GRAUWERT Hamburg, Galerist Sigi Sander, "Multiple Box"
© Wolfgang Söder, GRAUWERT Hamburg, Galerist Sigi Sander, “Multiple Box”

Der Kunstprofessor aus Düsseldorf sorgte für Schlagzeilen, wie kein anderer Künstler. “Beuys war ein nettes Opfer für die Medien”, sagt Sigi Sander, der heute die Galerie “Multiple Box” in Hamburg führt. Andererseits habe Beuys es verstanden, die Medien für seine Zwecke zu nutzen: In ungezählten TV-Auftritten hat Beuys für seine Ideen vom “erweiterten Kunstbegriff”, Humanismus und Ökologie geworben. Im Podcast Hamburg Arts berichtet Sigi Sander, wie es Joseph Beuys geschafft hat, sich ein erfolgreiches Personal Branding aufzubauen.

Es folgen weitere Episoden mit Sigi Sander zu Beuys – abonnieren lohnt sich! 🙂

Die Medien-Story, die Beuys den Durchbruch brachte

Wir erinnern uns: Als zwei Wuppertaler SPD-Frauen nach einer Feier in einem Museum die dort ausgestellte Badewanne von Joseph Beuys sauber schrubbten, war das Medienecho riesig, denn darauf folgten Gerichtsprozesse, in denen eine gigantische Versicherungssumme verhandelt wurde, da der Originalzustand der von Beuys künstlerisch verzierten Wanne zerstört war. Zunächst geisterte eine andere Version durch die Medien:  Danach hatte sich eine Putzfrau über die Wanne hergemacht und sie versehentlich gereinigt. In jedem Fall hat diese herrliche Geschichte Beuys sehr genützt. “Die Sache mit der Badewanne war sein Durchbruch,” sagt Sigi Sander heute. Der Name Beuys war damit in den Köpfen der Menschen.

© Björn Goldecker, www.kunstbeziehung.de
© Björn Goldecker, Badewanne (1960) von Joseph Beuys, Lenbachhaus München

Die Badewanne aus den Kindheitstagen von Joseph Beuys steht heute in München. Der Sammler und rechtmässige Besitzer Lothar Schirmer hatte seinerzeit den hohen Schadensersatz vor Gericht erstritten. Und Joseph Beuys nahm sich die Wanne noch einmal vor und machte sie erneut zum Kunstwerk von hohem Wert. Inzwischen hat Lothar Schirmer die legendäre Badewanne dem Lenbachhaus in München geschenkt.

In dieser Podcast-Episode schildert Sigi Sander, wie Joseph Beuys zielstrebig an seinem Image feilte, um seine Kunst und seine Ideen unters Volk und in die Medien zu bringen.

“Mein ganzes Leben war Werbung, aber man sollte sich einmal dafür interessieren, wofür ich Werbung gemacht habe.”
– Joseph Beuys

 Autor: Kay Dethlefs

Danke an Björn Goldecker für Fotos der legendären Badewanne:

https://www.kunstbeziehung.de/

Der Link zur Galerie “Multiple Box”

https://www.multiple-box.de/